Anonymus: Roland Emmerich zeigt Shakespeare als Betrüger
In „Anonymus“ zeichnet Roland Emmerich eine Verschwörung um einen der berühmtesten Schriftsteller aller Zeiten: War William Shakespeare in Wirklichkeit ein Betrüger, der die Werke eines Anderen als die seinen ausgab?
Das Historiendrama „Anonymus“ ist auf den ersten Blick ein eher ungewöhnliches Werk für den Welten-Zerstörer Roland Emmerich, der sich hier zur Abwechslung einmal nicht um den Ruin unseres Planeten kümmert, wie er es in seinen vielen Katastrophenfilmen bereits mehrfach getan hat. Dafür reißt er eine Weltanschauung nieder, in welcher der Engländer William Shakespeare als eines der größten literarischen Genies aller Zeiten gilt, richtet so manchen Glauben an die schönen Künste zugrunde und verwüstet das stolze Bild der traditionsreichen Welt des Theaters.
„Anonymus“: Historienfilm mit brisanter Thematik
Im Zeitalter der Herrschaft von Königin Elizabeth I. (Vanessa Redgrave), inmitten von politischen Intrigen und Machtspielen geht der Earl of Oxford (Rhys Ifans) seiner Leidenschaft nach: Er schreibt Theaterstücke. Doch für einen Adligen seines Standes geziemt sich eine solche Tätigkeit nicht, und so ersinnt er einen genialen Plan: Er lässt seine Arbeiten unter einem fremden Namen verbreiten und gibt William Shakespeare (Rafe Spall), einen Mann aus einfachen Verhältnissen, als Autor seiner Werke aus. Doch steckt womöglich noch mehr hinter diesem Arrangement als nur das Bedürfnis eines Schriftstellers, seine Arbeiten veröffentlicht zu sehen?
Roland Emmerich: „Anonymus“ und die Wahrheit über Shakespeare?
„Die ganze Welt ist eine Bühne, Und alle Frau’n und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab, Sein Leben lang spielt einer manche Rollen.“ heißt es in Shakespeares „Wie es euch gefällt“. Doch stammen diese Zeilen womöglich von einem ganz anderen Mann, einem unbekannten Autor, der hier die Scharade des berühmten Briten offenbart? Mit seinem Historienfilm, der Fakten mit Fiktion zu verbinden sucht, zeichnet Regisseur Roland Emmerich ein Portrait des legendären Schriftstellers, das Viele wohl selbst als unwahrscheinliche Möglichkeit nur ungern in Betracht ziehen werden.
Dabei ist die Diskussionen um die tatsächliche Autorschaft der Shakespeare’schen Stücke gar nicht neu. Drehbuchautor John Orloff ließ sich hier vielmehr von fast schon mit traditioneller Regelmäßigkeit gehegten Zweifeln inspirieren, die aber wahrscheinlich noch nie zuvor in solch dramatischer Brisanz wie im aktuellen Kinofilm präsentiert wurden. Egal, ob man sich nun von der Geschichte überzeugen lassen oder einfach nur gut unterhalten werden möchte – Genrefans und Liebhaber von Verschwörungstheorien sollten sich dieses hochkarätig besetzte Drama, das seinen Kinostart am 10. November 2011 begeht, auf keinen Fall entgehen lassen.