Snow White and the Huntsman: Märchen-Fieber in Hollywood Teil 2
Es wird unheimlich in Rupert Sanders’ „Snow White and the Huntsman“, denn aus dem romantischen Märchen ist eine düstere Fantasy-Saga geworden, in der eine ruchlose Königin ihr tödliches Unwesen treibt.
Damit geht diese zweite Version der Grimm’schen Erzählung einen gänzlich anderen Weg als Tarsem Singhs „Brothers Grimm: Snow White“, der bereits vor zwei Wochen Thema an dieser Stelle war. Wer also befürchtet hat, die Vielzahl an Märchenverfilmungen könnte im neuen Kinojahr zu einer endlosen Wiederholung werden, kann aufatmen: Denn zumindest diese beiden Filme sind so verschieden, dass man hier glücklicherweise nicht von erzählerischer Redundanz sprechen kann. Fragt sich nur noch, welche Variante bei den Zuschauern besser ankommen wird.
„Snow White and the Huntsman“: Habt Acht vor der bösen Königin
In einem fernen Land regiert eine schöne, aber grausame Herrscherin mit unbarmherziger Hand. Das Leid anderer vergrößert ihre eigene Macht, ebenso wie gestohlene Jugend ihre eigene Grazie erhält. Sie ist unumstritten die anmutigste Frau weit und breit – jedenfalls für den Moment. Denn als ihr magischer Spiegel der Königin offenbart, dass eine junge Frau dereinst ihre Schönheit noch weit übertreffen wird, sieht sie sich in all ihrer herrlichen Macht bedroht.
Doch der Spiegel bietet ihr auch Hoffnung: Sollte es der Königin gelingen, das Mädchen zu töten und ihr Herz zu verspeisen, würde sie für immer – und wortwörtlich – unsterblich schön bleiben. Also entsendet die grausame Herrscherin einen Jäger, der die unbekannte Schöne zur Strecke bringen soll. Doch was sie nicht ahnt: Sie ist dabei, sich statt einer unbedarften Jungfer eine gut trainierte Kriegerin zur Feindin zu machen, die schon bald zu einer viel größeren Bedrohung wird, als je vorherzusehen war.
Spieglein, Spieglein, an der Wand…
Eine böse und ungeahnt gnadenlose Königin sowie ein kämpferisches Schneewittchen machen aus dem romantischen Märchen ein episches Abenteuer, das in Sachen düsterer Grausamkeit wahrscheinlich eher an die ursprüngliche Volkserzählung heranreicht, die von den Gebrüdern Grimm bekanntermaßen deutlich entschärft und im Laufe der Zeit zu einer recht harmlosen Gute-Nacht-Erzählung abgeschwächt wurde.
Während „Twilight“-Heldin Kristen Stewart ungewohnter Weise das Schwert schwingt, trumpft Charlize Theron als blutdürstige Tyrannin auf und zeigt damit einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit die ihr 2003 den Oscar für „Monsters“ eingebracht hatte. Zwischen den Reihen steht Chris Hemsworth, der hier als Jägersmann nicht auf so göttliche Kräfte wie als „Thor“ vertrauen kann, sich aber dennoch mehr als wacker schlägt und der bösen Königin eindrucksvoll die Stirn bietet.
Phantastisches Epos: „Snow White and the Huntsman“
Wer der Sieger in diesem Wettstreit sein könnte, mag man in Erinnerung an den Ausgang des Grimm’schen Märchens vielleicht schon zu ahnen glauben, doch warten wir erst einmal ab. Auf jeden Fall stehen die Chancen gut, dass zumindest der Zuschauer als Gewinner aus dieser Schlacht hervorgehen könnte, denn die ersten Bilder des Fantasy-Streifens zeigen sich äußerst viel versprechend und machen in jedem Fall Lust auf mehr. Wer schon jetzt neugierig auf die märchenhafte neue Kinosaison ist, muss sich jedoch noch etwas gedulden, denn „Snow White and the Huntsman“ startet erst am 31. Mai 2012 in den deutschen Kinos.