25. Nov

The Brothers Grimm: Snow White – Märchen-Fieber in Hollywood Teil 1

In der Film- und Serienindustrie ist anscheinend das Märchenfieber ausgebrochen. Gleich zwei Verfilmungen von „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ werden derzeit produziert, als erstes startet „The Brothers Grimm: Snow White“ in den deutschen Kinos.

„The Brothers Grimm: Snow White“ ist wohl der offizielle „deutsche“ Titel von Tarsem Singhs „Mirror Mirror“ und lässt uns wieder einmal über die verworrenen Gedankengänge rätseln, die um die Deutschland-Vermarktung von ausländischen Filmen kreisen. Warum man sich einen neuen englischen Titel ausdenken muss, statt beim Original zu bleiben oder dieses einfach zu übersetzen, werden Außenstehende wohl nie begreifen. Aber jenes Rätsel wollen wir an dieser Stelle nicht lösen, widmen wir uns vielmehr der märchenhaften Entwicklung, die nicht nur Hollywood erfasst zu haben scheint.

Tarsem Singh präsentiert „Mirror Mirror“ alias „The Brothers Grimm: Snow White“

„Mirror Mirror“ erzählt die altbekannte Geschichte des schönen Schneewittchen und ihrer eitlen Stiefmutter, aber irgendwas ist anders als sonst. Aus der grausamen ursprünglichen Volkserzählung, die sich durch die Grimm’sche Zensur in ein stellenweise immer noch recht brutales, aber trotzdem herrlich kitschiges Märchen verwandelte, ist nun eine fast schwarze Komödie geworden, die mit schnellen Wortgefechten, sarkastischen Kommentaren und einer überraschend spitzzüngigen Julia Roberts in der Rolle der bösen Königin überzeugen will.

Während die selbstverliebte Monarchin alles daran setzt, Schneewittchen (Lily Collins) als ärgste Konkurrentin um die Krone der Schönsten im Land auszuschalten und sich gleichzeitig die Hand des attraktiven und nicht zu vergessen wohlhabenden Prinzen (Armie Hammer) zu sichern, um das eigene Königreich aus einer fiesen kleinen Finanzkrise heraus zu manövrieren, staunt der Zuschauer nicht schlecht über die Wandlung, die das Märchen seit seinen Anfangstagen hier durchgemacht hat:

Da wird die böse Stiefmutter durch ihren Sarkasmus zur komischen und fast sympathischen Hauptfigur, während sich das zarte Prinzesschen als Rebellin entpuppt, die mit einer Hau-Drauf-Zwergen-Truppe zum Angriff auf das königliche Schloss bläst. Ob diese Taktik im Kampf gegen die filmische Konkurrenz die richtige ist, wird sich wohl spätestens mit dem voraussichtlichen deutschen Kinostart am 05. April 2012 zeigen.

Das Grimm’sche Märchen-Fieber greift um sich

Zwei Monate nach Tarsem Singhs Version startet „Snow White and the Huntsman“, die zweite Verfilmung dieses vielleicht bekanntesten Märchens aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, die jedoch einen ganz anderen Ansatz verfolgt und aus dem Märchen eine düstere Fantasy-Saga macht. Aber hier sitzt nur das Herz des derzeitigen Interesses an der Grimm’schen Sagenwelt, das die Film- und Fernsehindustrie spätestens seit Disneys „Rapunzel – Neu verföhnt“ fest im Griff zu haben scheint.

Denn im April gab sich Amanda Seyfried die Ehre als Rotkäppchen in „Red Riding Hood“, die Dreharbeiten zu „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ mit Jeremy Renner und Gemma Arterton in den Titelrollen laufen derzeit auf Hochtouren und an den Plänen für eine neue Adaption von „Dornröschen“, für deren Hauptrolle unter anderem Hailee Steinfeld im Gespräch war, wird noch gewerkelt. Im U.S.-Fernsehen ist unterdessen im Oktober die SerieGrimm“ gestartet, in welcher ein Nachfahre der legendären Geschichtensammler, die sich offenbar auch als Monsterjäger betätigt hatten, selbst in eine mythologische Welt hineingezogen wird, von der er gar nicht wusste, dass sie existiert.

Hollywood ist wie verzaubert

Damit sind die Erzählungen der Gebrüder Grimm derzeit so angesagt wie schon lange nicht mehr, und auch andere märchenhafte literarische Vorlagen sind längst in das Visier der Filmemacher geraten: Regisseur Bryan Singer bringt 2012 mit „Jack the Giant Killer“ seine Version der britischen Erzählung um einen jungen Mann und eine zauberhafte Bohnenranke in die Kinos, während Channing Tatum und Eli Roth derzeit für die Realisierung eines noch nicht näher beschriebenen Projekts namens „Peter Pan Begins“ kämpfen und Sam Raimi mit „Oz: The Great and Powerful“ an einem Prequel zu L. Frank Baums Geschichte arbeitet, in dem unter anderen Mila Kunis, James Franco und Rachel Weisz auftreten sollen.

Welchen dieser filmischen Vorhaben letztlich ein Happy End vergönnt sein wird, entscheiden spätestens die Zuschauer an den Kinokassen. Die Aussichten sind aber mehr als viel versprechend. Als Filmliebhaber darf man sich also bereits getrost zurücklehnen und einer wahrlich märchenhaften Kinosaison entgegenfiebern.

Verwandte Artikel

avatar
Nicole schreibt
am 12. Januar 2012 um 15:07 Uhr

Der Kinostart von “HÄNSEL UND GRETEL – HEXENJÄGER” wurde auf Anfang 2013 verschoben.

Spekulationen über die Gründe gibt es viele, zum einen könnte die Zeit bis zum geplanten Start am 01. März 2012 einfach zu knapp werden. Immerhin gibt es noch nicht einmal einen offiziellen Trailer, und Gerüchten zufolge möchte Paramount gern den 3D-Aspekt des Films angemessen vermarkten, was in der Kürze der Zeit aber wohl nicht mehr möglich ist.

Des Weiteren glauben manche, Paramount spekuliere auf Jeremy Renner als Zugpferd. Immerhin kommt der Schauspieler 2012 noch mit zwei großen Filmen ins Kino, zum einen “THE AVENGERS” und zum anderen “THE BOURNE LEGACY”. Wenn diese einschlagen, könnte seine neue Popularität sich auch positiv auf das darauf folgende Fantasy-Spektakel auslösen.

avatar
Nicole schreibt
am 31. Januar 2012 um 08:35 Uhr

Womöglich ändert sich der deutsche Kinotitel des Julia-Roberts-Märchens noch in “Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen”

Kommentar schreiben
Name

E-Mail (wird nicht veröffentlicht)

Webseite (optional)

Nachricht